Im Test: Silva Trail Runner II

Silva Trail Runner II

Wer im Winter regelmäßig läuft, wird sich früher oder später Gedanken machen, ob sich die Anschaffung einer Stirnlampe lohnt. In der Stadt gibt es sicherlich reichlich Möglichkeiten, seine Runden auch ohne eigene Beleuchtung zu drehen, auf Feld- und Waldwegen dagegen kommt man um eine Stirnlampe nicht herum.

Leider ist es gar nicht so einfach, das große Angebot zu durchschauen. Die sogenannten „Tests“ von Runner’s World oder Joggen-Online sind da leider keine große Hilfe, da sie im Grunde jeder Lampe aus jedem Preissegment noch etwas Gutes abgewinnen können. Klare Empfehlungen sucht man jedoch vergebens. Dabei ließe sich das Angebot durch einen simplen Ratschlag erheblich ausdünnen, denn wie bei so vielen technischen Geräten gilt auch hier: Wer billig kauft, kauft zweimal. Lampen mit einem Lichtstrom von gerade mal 20-100 Lumen taugen bestenfalls als Positionsleuchten, aber definitiv nicht, um auch sicher durch den Wald laufen zu können. Darum lohnt es sich in jedem Fall, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Der Unterschied zwischen einer Billiglampe und einer aus dem mittleren Preissegment ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes wie jener zwischen Tag und Nacht. Ich habe mich seinerzeit nach langer Recherche für die Trail Runner II von Silva entschieden. Sie kostet je nach Anbieter ca. 55-70 Euro und bringt es auf einen Lichtstrom von 140 Lumen. Erstaunlicherweise ist der Preis für diese Lampe innerhalb der letzten 18 Monate sehr stabil geblieben und das teurere Nachfolgemodell wurde lediglich mit einer USB-Ladefunktion, nicht jedoch mit mehr Leuchtkraft ausgestattet.

Silva Trail Runner II Spiegelslustturm Marburg

Die Silva Trail Runner II trägt sich wirklich sehr angenehm und macht sich beim Tragen kaum bemerkbar. Inklusive Batterien (3x AAA) wiegt die Stirnlampe nämlich nur 128 Gramm. Dabei verteilt sich das Gewicht auf das Batteriefach am Hinterkopf und die Lampe an der Stirn. Diese Art der Konstruktion bringt einen weiteren Vorteil mit sich. Dadurch, dass das Batteriefach nicht direkt hinter der LED verbaut wurde, bleibt genügend Raum, um den Neigungswinkel der Lampe zu verändern. Dies ist insbesondere bei steilen Gefällen und Anstiegen von Vorteil. Man ist so nicht gezwungen, die Kopfhaltung an der Beleuchtung auszurichten, wie es bei den meisten billigen Modellen der Fall ist.

Die Bedienung der Trail Runner II ist denkbar einfach. Es gibt nur einen einzigen Knopf, mit dem sich drei verschiedenen Leuchtmodi einstellen lassen. Ein kurzer Druck und die LED leuchtet mit voller Kraft. Ein weiterer Tastendruck und die Lampe wechselt in den Sparmodus. Dieser bietet sich an, um in ausreichend beleuchteten Gebieten nur die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen. Jeder weitere Druck wechselt zwischen höchster Leuchtstufe und Sparmodus hin und her. Mit einem langen Druck schaltet man die Lampe aus. Dabei leuchtet für wenige Sekunden eine Batteriestandsanzeige auf, die mit den Farben grün, orange oder rot signalisiert, über wie viel Power die Batterien noch verfügen. Drückt man den An-/Ausschalter lange, wenn die Lampe ausgeschaltet ist, wird der „SOS“-Blinkmodus aktiviert. Der Neigungswinkel der LED lässt sich wie zuvor erwähnt auch während des Laufens problemlos verändern.

Silva Trail Runner II Außenalster Hamburg

Das Hauptkriterium einer Stirnlampe ist freilich die Leuchtkraft. Wobei es selbstverständlich auch auf die Lichtstreuung ankommt. Ich bin diesbezüglich mit der Trail Runner II recht zufrieden. Der 140 Lumen starke Lichtstrahl leuchtet den zentralen Bereich von ca. 3-5 Metern hervorragend aus. Die Beschaffenheit des Weges lässt sich so frühzeitig erkennen. Absoluter Nah- wie Fernbereich werden etwas schwächer, aber noch ausreichend ausgeleuchtet. Dabei ist das Streulicht angenehm breit angelegt, sodass man selbst zwei Meter links und rechts der Spur noch sieht, wie es da ausschaut. Dieser Effekt zeigt sich natürlich nur bei völliger Dunkelheit. Je heller die Umgebung, desto entbehrlicher wirkt logischerweise die Stirnleuchte. Insgesamt fühle ich mich mit der Trail Runner II so sicher, dass ich auch in tiefster Dunkelheit noch Waldwege laufe (und da kommt es wirklich drauf an, wo man hintritt).

Ausleuchtung Silva Trail Runner II
Leider lässt sich die Ausleuchtung mit der Kameralinse nur schwer einfangen.

Einschränkend muss man aber erwähnen, dass es auch noch viel heller geht. Als beim Lauftreff der Chef plötzlich mit einer LED Lenser H14R.2 von Zweibrüder mit 850 Lumen aufschlug, wirkte mein Licht dagegen wie das einer Stirnlampe aus dem Supermarkt. Wenn er vor mir lief, orientierte ich mich intuitiv nicht mehr an meinem eigenen Licht, sondern an seinem und als ich wieder alleine lief, kam es mir vor, als hätte plötzlich jemand das Licht ausgeknipst. OK, meine Batterien waren auch schon ziemlich platt, aber nichtsdestotrotz machen 710 Lumen mehr Leuchtkraft schon einen gewaltigen Unterschied. Da hat man fast das Gefühl, bei Tage zu laufen.

Soviel Power hat natürlich auch ihren Preis. Die Lenser H14R.2 ist für gut 100 Euro erhältlich. Außerdem ist sie mit 340 Gramm fast doppelt so schwer wie die Trail Runner II von Silva. Preislich sind die Grenzen nach oben fast offen. So gibt es auch Stirnleuten im Preisbereich jenseits von 300 Euro, die dann sogar für Skifahrer oder Höhlenforscher ausreichend Licht bieten.

Für Läufer gilt es, bei der Suche nach einer Stirnlampe einen gesunden Kompromiss zwischen Leistung und Gewicht zu finden. Ich bin wie gesagt ganz zufrieden mit meiner Wahl, obwohl ich natürlich auch hin und wieder neidisch auf den Lichtkegel meines Mitläufers schaue. Insofern habe ich einen eindeutigen Rat für jeden, der über den Kauf einer Stirnlampe nachdenkt. 140 Lumen Leuchtkraft sollten wirklich das absolute Minimum sein.

 

Produkttyp Stirnlampe
Stromversorgung 3 AAA Akkus/Batterien
Leuchtstärke 140 Lumen
Gewicht 128 g (inkl. Akkus)
Preis ca. 42 Euro (Stand: Juli 2016)

Pros

  • hoher Tragekomfort
  • geringes Gewicht
  • gute Verarbeitung
  • spritzwassergeschützt
  • einfache Bedienung
  • Neigungswinkel stufenlos verstellbar
  • LED-Batteriestandsanzeige beim Ausschalten
  • Betrieb mit drei herkömmlichen AAA Batterien/Akkus möglich

Cons

  • relativ geringer Lichtstrom (140 Lumen)
  • hoher Preis in Relation zur Leuchtstärke (mittlerweile stark reduziert)

Gesamtnote

3,0

5 Kommentare

  1. Hallo, vielleicht könnt Ihr helfen. Ich suche eine Stirnlampe, mit der ich im absolut dunklen Wald und Feldweg laufen kann. Da ich aber noch einen Hund mindestens 2 Meter vor mir laufen habe, muß der Lichtkegel entsprechend lang und breit sein. 3-5 Meter wäre mir nicht ausreichend. Sie sollte aber halt auch nicht zu schwer sein. 340g bei der Lenser sind schon echt schwer im Gegensatz zur Silva. Habt Ihr noch eine Idee? Grüße Susanne

    1. hallo susanne. es ist in der tat nicht einfach, sich für eine stirnlampe zu entscheiden. leider kann man die ausleuchtung mit der kamera nicht gut einfangen. man kann schon auch außerhalb des richtig hellen bereichs noch viel erkennen. vor allem links und rechts. was den vorderen bereich betrifft, ist das natürlich auch eine frage des neigungswinkels und des lauftempos.

      man kann den "fokus" schließlich so einstellen, dass die lampe weiter in die ferne strahlt. dann ist der nahbereich natürlich nicht mehr so hell ausgeleuchtet. der nachteil ist, dass man manche unebenheiten in der ferne anders wahr nimmt als im nahbereich. deshalb liegt mein fokus schon so auf 3-5 metern vor mir. selbst bei einem recht zügigen lauftempo von ca. 3,7 m/s (4:30 min/km) kann man also noch auf alles reagieren.

      nichtsdestotrotz würde ich dir einfach mehr leuchtkraft als 140 lumen empfehlen. dann wird es irgendwo auch zu einer preisfrage. wenn dir die lenser zu schwer ist, kannst du z.b. auch die silva runner wählen. die ist deutlich leichter, bringt es auf 660 lumen und kostet ca. 200 euro. ist also fast doppelt so teuer. den vorgänger mit 550 lumen gibt es auch schon für 150 euro. die leuchtkraft dürfte locker ausreichen und die lampen sind auch noch deutlich leichter, aber eben auch teurer als die lenser. da gilt es dann irgendwo den kompromiss zu finden.

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